Oberflächenangaben auf der Zeichnung: Ra, Rz und das Symbol
Ra 3,2 oder Ra 1,6: was Rauheitswerte bedeuten, wie sich Ra und Rz unterscheiden, wie das Symbol nach ISO 21920-1 aufgebaut ist und welche Angabe ein Frästeil wirklich braucht.
Ra und Rz
Eine gefräste Fläche ist unter dem Tastschnittgerät kein Strich, sondern ein Profil aus Spitzen und Riefen. Rauheitskenngrößen fassen dieses Profil in einer Zahl zusammen, angegeben in Mikrometern. Begriffe und Kenngrößen legt heute ISO 21920-2 fest; ältere Zeichnungen stützen sich auf ISO 4287.
Ra, der arithmetische Mittenrauwert, ist der Mittelwert der Beträge aller Abweichungen des Profils von seiner Mittellinie. Er glättet stark: Einzelne tiefe Riefen oder Kratzer verändern ihn kaum. Rz, die größte Höhe des Profils, erfasst dagegen den Abstand von der höchsten Spitze zum tiefsten Tal innerhalb eines Messabschnitts; nach ISO 4288 war der Zeichnungswert der Mittelwert aus fünf solchen Abschnitten. Rz reagiert deshalb auf Ausreißer, Ra kaum.
Eine feste Umrechnung zwischen beiden gibt es nicht. Zwei Flächen mit gleichem Ra können sehr verschiedene Rz-Werte haben – je nachdem, ob die Riefen gleichmäßig oder vereinzelt tief sind. Tabellen, die Ra in Rz umrechnen, beschreiben bestenfalls typische Flächen eines Verfahrens. Auf die Zeichnung gehört die Kenngröße, die die Funktion beschreibt: Für eine Dichtfläche, an der einzelne tiefe Riefen zur Leckage führen, sagt Rz mehr als Ra.
Das Oberflächensymbol
Das Grundsymbol ist ein Haken aus zwei ungleich langen Linien, die etwa im Winkel von 60° zur Fläche stehen. Drei Varianten unterscheiden die Fertigung: Das offene Grundsymbol lässt das Verfahren frei; ein Querstrich, der den kurzen Schenkel zum Dreieck schließt, fordert materialabtragende Bearbeitung – bei einem Frästeil der Normalfall; ein Kreis im Symbol verbietet Materialabtrag, die Fläche bleibt, wie sie aus dem Halbzeug kommt.
Die Kenngröße mit ihrem Grenzwert, etwa „Ra 1,6“, wird am langen Schenkel eingetragen. Dazu lassen sich das Fertigungsverfahren und die Richtung der Bearbeitungsriefen angeben – sinnvoll dort, wo die Lage der Riefen die Funktion beeinflusst, etwa an Dicht- oder Gleitflächen.
Gilt für die meisten Flächen dieselbe Anforderung, steht ein Symbol neben dem Schriftfeld und ergänzt in Klammern den Hinweis auf die abweichenden Angaben; die Ausnahmen werden einzeln an den Flächen eingetragen. So bleibt die Zeichnung lesbar, auch wenn nur zwei Flächen feiner bearbeitet sein müssen.
Was sich 2021 geändert hat
2021 hat ISO die Normen zur Oberflächenbeschaffenheit am Profil neu geordnet. ISO 21920-1 ersetzt ISO 1302 für die Angabe auf der Zeichnung, ISO 21920-2 ersetzt ISO 4287 mit den Begriffen und Kenngrößen, und ISO 21920-3 ersetzt ISO 4288 mit den Regeln, nach denen gemessen und bewertet wird.
Für die meisten Zeichnungen gefräster Teile bleibt die Angabe vertraut: Symbol, Kenngröße, Grenzwert. Geändert hat sich die Auswertung, und mit ihr der Standardfall. Ohne Zusatz galt nach ISO 1302 bei einem oberen Grenzwert die 16-%-Regel: Bis zu 16 % der Messwerte dürfen den Grenzwert überschreiten. Nach ISO 21920-1 gilt ohne Zusatz die Max-Regel: Kein Messwert darf ihn überschreiten. Dasselbe „Ra 3,2“ ohne Zusatz ist auf einem neuen Blatt deshalb strenger als auf einem alten. Wer eine Zeichnung auf die neue Norm umstellt, stimmt die Angaben deshalb am besten mit dem ab, der misst, und vermerkt, nach welcher Norm das Blatt zu lesen ist.
Noch ältere Blätter nennen statt eines Zahlenwerts Rauheitsklassen N1 bis N12 aus früheren Ausgaben der ISO 1302 oder zeigen Dreieckssymbole nach der früheren DIN 3141. Jede N-Klasse stand für einen festen Mittenrauwert Ra – N7 zum Beispiel für Ra 1,6 µm (frühere ISO 1302, heute nicht mehr genormt) – und lässt sich deshalb übersetzen; die Dreiecke nicht eindeutig, denn ihre Bedeutung hing von einer gewählten Reihe ab. Solche Angaben klären wir vor dem Angebot, ebenso, ob die Zeichnung nach der alten oder der neuen Auswertungsregel zu lesen ist.
Welche Angabe ein Frästeil braucht
Eine Rauheitsangabe gehört an Flächen, an denen die Oberfläche eine Funktion hat: Dichtflächen, Gleit- und Führungsflächen, Passflächen, Sichtflächen. Für alle übrigen genügt eine allgemeine Angabe neben dem Schriftfeld – oder gar keine, wenn es auf die Oberfläche nicht ankommt.
Wählen Sie den Wert nach der Funktion, nicht nach Gewohnheit. Ein engerer Grenzwert verlangt oft feinere Zustellung, andere Werkzeuge oder einen eigenen Schlichtgang und macht das Prüfen aufwendiger. Ra 3,2 und Ra 1,6 gehören zu den Werten, die man auf Zeichnungen gefräster Teile häufig liest; ob sie an Ihrer Fläche nötig sind, entscheidet die Aufgabe der Fläche.
Welcher Wert an Ihrem Teil erreichbar ist, hängt von Werkstoff, Werkzeug, Aufspannung und Geometrie ab. Pauschale Zusagen machen wir deshalb nicht; ob Ihre Angaben zu Ihrem Teil passen, sagen wir Ihnen mit dem Angebot.
Was eine Rauheitsangabe nicht erfasst
Kratzer, Dellen, Poren oder Einschlüsse beschreibt keine Rauheitskenngröße: Ein Tastschnitt, der neben dem Kratzer verläuft, sieht ihn nicht. Für solche Oberflächenunvollkommenheiten gibt es mit ISO 8785 eigene Begriffe. Sollen Sichtflächen frei davon sein, gehört das als Text auf die Zeichnung – mit der betroffenen Fläche und den Bedingungen, unter denen geprüft wird, etwa Betrachtungsabstand und Beleuchtung –, oder beide Seiten vereinbaren ein Grenzmuster.
Auch Welligkeit und Ebenheit fasst Ra nicht. Eine Fläche kann sehr glatt und trotzdem gewölbt sein; wo das zählt, begrenzt eine Formtoleranz nach ISO 1101 die Abweichung, unabhängig von der Rauheit.
Stand: 02.10.2026
Häufige Fragen
Ra 3,2 ist der obere Grenzwert für den arithmetischen Mittenrauwert des Profils: 3,2 µm. Wie Messwerte mit diesem Grenzwert verglichen werden, regelt die Norm, auf die die Zeichnung verweist – heute ISO 21920, bei älteren Zeichnungen ISO 1302 zusammen mit ISO 4288.
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